Es gibt zwei Arten von Unternehmen: solche, die schon einmal Daten verloren haben – und solche, denen es noch bevorsteht. Der Unterschied zwischen einem ärgerlichen Vormittag und einer existenzbedrohenden Katastrophe liegt fast nie darin, ob ein Backup existiert. Sondern darin, ob es sich wiederherstellen lässt. Genau da scheitern erschreckend viele Sicherungskonzepte.
Die typischen Backup-Irrtümer
- „Der RAID-Verbund sichert doch alles." RAID schützt vor dem Ausfall einer Festplatte – nicht vor versehentlichem Löschen, fehlerhaften Updates, Verschlüsselungstrojanern oder einem defekten Controller. RAID ist Verfügbarkeit, kein Backup.
- „Wir haben ein Backup auf demselben Server." Wenn der Server brennt, gehackt wird oder das Dateisystem kippt, sind Original und Sicherung gemeinsam verloren.
- „Das Backup läuft seit Jahren automatisch." Läuft es wirklich? Ohne Überwachung fallen fehlgeschlagene Sicherungen erst auf, wenn man sie braucht. Wir sehen regelmäßig Backup-Jobs, die seit Monaten still scheitern.
- „Die Datenbank wird mitkopiert." Eine im laufenden Betrieb kopierte Datenbankdatei ist häufig inkonsistent und damit unbrauchbar. Datenbanken brauchen echte Dumps oder Snapshot-Verfahren.
Die 3-2-1-Regel als Fundament
Bewährt und einfach zu merken: drei Kopien Ihrer Daten, auf zwei unterschiedlichen Systemen, davon eine räumlich getrennt. In unserem Betrieb heißt das: das Produktivsystem, tägliche Sicherungen auf getrennter Backup-Infrastruktur und eine zusätzliche Kopie in einem anderen Brandabschnitt bzw. Standort unserer deutschen Rechenzentren. Ergänzt um Aufbewahrungsstufen – täglich, wöchentlich, monatlich –, damit auch ein Fehler, der erst nach drei Wochen auffällt, noch reparabel ist.
Der Restore-Test: Die Stunde der Wahrheit
Ein Wiederherstellungstest beantwortet drei Fragen, die im Ernstfall über alles entscheiden: Sind die Daten vollständig (inklusive Datenbank, Dateien, Konfiguration, Zertifikaten)? Sind sie konsistent (startet die Anwendung, stimmen die Bestände)? Und – oft unterschätzt – wie lange dauert es? Wer erst im Ernstfall erfährt, dass die Wiederherstellung von 800 GB vierzehn Stunden dauert, hat sein Notfallkonzept nicht zu Ende gedacht. Wir testen Restores unserer Kundensysteme regelmäßig und dokumentieren die Zeiten – das ist Teil des Betriebs, keine Sonderleistung.
Snapshots: Die schnelle Ergänzung
Vor jedem Update, jeder größeren Änderung ziehen wir einen Snapshot des Gesamtsystems. Geht etwas schief, ist der Zustand von vorher in Minuten zurück. Snapshots ersetzen kein Backup – sie liegen auf derselben Infrastruktur –, aber sie machen 90 Prozent der Alltagsfehler trivial reparierbar.
Wann haben Sie Ihren letzten Restore getestet? Wenn die Antwort „noch nie" lautet, sollten wir reden – bevor es jemand anderes für Sie herausfindet.